Wie ich vor über 40 Jahren begann, qualifizierte Teilzeitarbeit neu zu denken

Jobsharing begleitet mich seit über 40 Jahren.
Was heute vielerorts als modernes Arbeitsmodell, New-Work-Konzept oder Zukunft der Arbeit diskutiert wird, war damals kaum bekannt. Als ich mich während meines Wirtschaftsstudiums an der Universität Oldenburg erstmals intensiver mit Jobsharing beschäftigte, begegneten viele Menschen dieser Idee mit Skepsis. Zwei Menschen teilen sich freiwillig eine qualifizierte Stelle? Gemeinsame Verantwortung? Zusammenarbeit auf Augenhöhe? Für viele klang das eher experimentell als realistisch. Mich hat genau das fasziniert.
Eine Frage, die mich nicht losließ
Schon früh stellte ich mir eine Frage, die heute aktueller ist denn je:
Wie können Menschen anspruchsvolle berufliche Aufgaben mit ihren persönlichen Lebenszielen verbinden — jenseits starrer Vollzeitmodelle?
Diese Frage wurde zum Ausgangspunkt meiner Reise — und sie begleitet mich bis heute.
Der Beginn: Studium, Arbeitsmarkt und neue Ideen
Während meines Studiums der Wirtschaftswissenschaften mit den Schwerpunkten Arbeitsrecht, Organisation und Management sowie Rechnungswesen begann ich, mich intensiv mit neuen Formen der Arbeitsorganisation auseinanderzusetzen.
Damals standen viele Unternehmen und Institutionen vor großen Veränderungen: steigende Arbeitslosigkeit, neue Anforderungen an Flexibilität und die Frage, wie qualifizierte Arbeit anders organisiert werden könnte. Jobsharing war zu dieser Zeit in Deutschland nahezu unbekannt. Die wenigen Diskussionen dazu konzentrierten sich überwiegend auf arbeitsmarktpolitische Fragen oder einfache Teilzeitmodelle. Ich hatte jedoch früh das Gefühl: In dieser Arbeitsform steckt weit mehr. Nicht nur eine Möglichkeit zur Arbeitszeitverkürzung — sondern ein neues Verständnis von Zusammenarbeit, Verantwortung und beruflicher Flexibilität.
Meine ersten wissenschaftlichen Arbeiten zu Jobsharing
Meine Beschäftigung mit dem Thema begann im Rahmen einer Projektarbeit über alternative Maßnahmen zur Lösung regionaler Arbeitsmarktungleichheiten. Doch das reichte mir nicht. Ich wollte tiefer verstehen, welche organisatorischen Voraussetzungen Jobsharing benötigt, welche rechtlichen Fragen entstehen und wie qualifizierte Teilzeitarbeit langfristig etabliert werden könnte. Daraus entstand schließlich meine Diplomarbeit: „Jobsharing – rechtliche, einzel- und gesamtwirtschaftliche Aspekte“. Für mich war diese Arbeit weit mehr als ein Studiumsthema. Sie wurde zum Fundament meiner späteren beruflichen Arbeit — und zum Startpunkt einer Reihe von Pionierleistungen, die ich in den folgenden Teilen dieser Serie dokumentieren werde.
Warum ich diese Blogreihe schreibe — und warum jetzt
In den vergangenen Jahren ist Jobsharing im deutschsprachigen Raum deutlich sichtbarer geworden. Neue Plattformen, Beratungsangebote und Konzepte entstehen — und das ist grundsätzlich eine positive Entwicklung. Gleichzeitig beobachte ich etwas, das mich bewegt: Die Geschichte dieser Arbeitsform wird immer häufiger dort begonnen, wo digitale Plattformen oder moderne New-Work-Debatten einsetzen. Als hätte es davor nichts gegeben. Als wäre Jobsharing im deutschsprachigen Raum eine Erfindung der letzten Jahre.
Das stimmt nicht.
Jahrzehnte bevor das erste Startup das Wort „Jobsharing“ auf seine Website schrieb, wurde in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits intensiv geforscht, beraten, vernetzt und praktisch gearbeitet. Ich war dabei — von Anfang an. Ich war eine der ersten Personen, die Jobsharing in Deutschland wissenschaftlich aufgearbeitet und öffentlich bekannt gemacht hat. Ich habe den ersten europäischen Verein zum Thema Jobsharing gegründet — EURO-TZA e.V. — dem sich andere europäische Jobsharing-Initiativen anschließen konnten. Und ich habe die erste Jobsharing-Datenbank für die Partnersuche im gesamten deutschsprachigen Raum aufgebaut. Diese Blogreihe ist meine Dokumentation. Persönlich, belegt durch Fotos und Originaldokumente, und so ehrlich wie möglich.
Was in den nächsten Teilen folgt
Meine Reise führte mich von Oldenburg nach Luxemburg zum Europäischen Parlament, von dort zurück nach Deutschland zur Vereinsgründung, und schließlich in die frühe digitale Welt der Jobsharing-Vermittlung — lange vor LinkedIn, long vor modernen Plattformen. Davon erzähle ich Schritt für Schritt.
Denn Innovation entsteht selten über Nacht. Oft beginnt sie viele Jahre früher — mit Menschen, die bereit sind, neue Wege zu denken.