Bundesrepublik Deutschland – unsere erste Literaturdokumenation

Die europäische Vernetzung war für mich ein wichtiger Meilenstein. Sie zeigte mir, dass das Interesse an neuen Formen der Teilzeitarbeit weit über Deutschland hinausging. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass jede Veränderung mit Menschen beginnt, die bereit sind, neue Wege zu gehen. Deshalb richtete ich meine Energie in den folgenden Jahren verstärkt auf die Aktivitäten von EURO-TZA e.V. in der Bundesrepublik Deutschland. Dort wartete genügend Pionierarbeit auf uns.

Aufbau einer Literaturdokumentation

Eines der ersten Ziele von EURO-TZA e.V. war der Aufbau einer Literaturdokumentation zur Teilzeitarbeit und insbesondere zum Jobsharing. Jedes beteiligte Land sollte die vorhandene Literatur zusammentragen und den anderen Partnern zur Verfügung stellen. So wollten wir einen Überblick darüber gewinnen, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse bereits vorlagen und wo noch Forschungsbedarf bestand.

Wir begannen mit einer Dokumentation für die Bundesrepublik Deutschland und, soweit es uns möglich war, auch für die USA. Gerade die Vereinigten Staaten galten damals als Vorreiter beim Jobsharing; viele der ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Praxisberichte stammten von dort.

Heute lässt sich kaum noch vorstellen, wie aufwendig diese Recherche war. Es gab weder Internet noch digitale Bibliotheken oder Suchmaschinen. Informationen erhielten wir über Briefe, Bibliotheken, wissenschaftliche Kontakte oder persönliche Empfehlungen, und jede neu entdeckte Veröffentlichung war für uns ein wertvoller Baustein.

Das Foto wurde mit KI erstellt.

Die gesammelten Daten wurden anschließend auf einer Diskette gespeichert – damals eine moderne Form der Datensicherung. Leider ist diese Diskette im Laufe der Jahrzehnte verloren gegangen, und ob sie heute überhaupt noch lesbar wäre, ist ohnehin fraglich. Wenn ich heute daran denke, tut es mir noch immer ein wenig weh: All die mühsame Sucharbeit, die stundenlangen Recherchen in Bibliotheken, der Briefwechsel mit Kolleginnen und Kollegen in ganz Europa – all das steckte in diesen wenigen Kilobyte, und es ist einfach verschwunden. Vielleicht ist das auch ein Sinnbild für diese frühe Zeit: Wir haben Pionierarbeit geleistet, ohne zu wissen, ob und wie sie der Nachwelt erhalten bleibt.

Zum Thema Jobsharing wurden in diesen Jahren zunehmend Fachbücher und Artikel geschrieben, und umso mehr freue ich mich, dass mir für die Bundesrepublik Deutschland einige der damaligen Literaturhinweise erhalten geblieben sind. Erwähnt werden hier nur einige der Veröffentlichungen aus dieser Zeit, weil sie sonst den Rahmen sprengen würden.

Eine davon ist mir besonders wichtig, weil sie meine eigene ist: 1984 schrieb ich an der Universität Oldenburg im Studiengang Diplom-Ökonomie meine Diplomarbeit mit dem Titel „Job-Sharing – rechtliche, einzel- und gesamtwirtschaftliche Aspekte“. Es war einer meiner ersten wissenschaftlichen Zugänge zum Thema, lange bevor ich ahnte, wie sehr es mein weiteres Berufsleben prägen würde. Wenn ich die Arbeit heute in die Hand nehme, sehe ich darin die Anfänge von allem, was danach kam.

USA

  • Frease und Zwacki (1979): Job-Sharing: An Answer to Productivity Problems, in: The Personnel Administrator, Oktober 1979.
  • Olmsted (1979): Job-Sharing: An Emerging Work-Style, in: International Labour Review, Band 118, Nr. 3.

Bundesrepublik Deutschland

  • Hoff, Andreas (1981): Job-Sharing als arbeitsmarktpolitisches Instrument: Wirkungspotential und arbeitsrechtliche Gestaltung, Discussion Papers, Wissenschaftszentrum Berlin, Internationales Institut für Management und Verwaltung, Berlin: IIMV.
  • Schüren, Peter (1983): Job-Sharing: arbeitsrechtliche Gestaltung unter Berücksichtigung amerikanischer Erfahrungen, Dissertation, Heidelberg: Verlagsgesellschaft Recht und Wirtschaft.
  • Schanz, Günther (1984): Job-Sharing Handbuch, im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft und Verkehr, Hannover: Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft und Verkehr.
  • Hörburger, Hortense (1985): Job-Sharing: Probleme und Möglichkeiten, Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Köln: Bundesanzeiger-Verlag; Luxemburg: Amt für Amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften.
  • Dr. Danne, Harald (1985): Das Job-Sharing – Seine arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Beurteilung nach Inkrafttreten des Beschäftigungsförderungsgesetzes 1985, Dissertation Luchterhand-Verlag
  • Müller, Christoph (1986): Organisatorische Gestaltung des Job-Sharing in der Unternehmung: ein Konzept zur Strukturierung von Job-Sharing-Arbeitsplätzen in der Bundesrepublik Deutschland, Dissertation, Köln: Müller Botermann.

Wenn ich diese Titel heute wieder lese, werden viele Erinnerungen wach. Damals war jede neue Veröffentlichung ein kleiner Erfolg. Sie zeigte uns, dass sich immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Jobsharing beschäftigten – und bestärkte uns darin, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch etwas erwähnen: Damals kontaktierte ich einige der Autoren per Brief, um sie über den Verein EURO-TZA e.V. zu informieren. Vor Kurzem fand ich durch Zufall in einem alten Karton den Briefwechsel wieder, den ich mit Dr. Harald Danne geführt hatte.

Ihre Aktivitäten in Bezug auf das Jobsharing habe ich mit großem Interesse zur Kenntnis genommen und bin insbesondere der Ansicht, dass die von Ihnen gegründete „Europäische Kooperation zur Förderung von neuen Arbeitszeiten“ eine breite und erfolgversprechende Perspektive aufweist. …
Über weitere Informationen über Ihr Job-Sharing-Projekt würde ich mich sehr freuen, zu einem weiterreichenden Gedankenaustausch stehe ich Ihnen gern zur Verfügung …

Dr. Harald Danne, 22. Juli 1987

Zeilen wie diese zeigen mir noch heute, wie ernst unsere Arbeit damals genommen wurde – und wie sehr sich Menschen in dieser Zeit für neue Wege in der Arbeitswelt zu interessieren begannen. Es ist ein kleiner, aber kostbarer Fund: ein direkter Beweis dafür, dass unsere Botschaft ankam.

Meine Reise mit Jobsharing Marie-Therese Herbers

Teil 1 Jobsharing Pionierin Deutschland

Teil 2 Die Wurzeln von Jobsharing

Teil 3 Erste Jobsharing Erfahrungen

Teil 4 Jobsharing Europa Robert Schuman Stipendium

Teil 5 Von Luxemburg nach Maastricht

Teil 6 Die Gründung von EURO-TZA e.V. – von der Idee zum Verein

Teil 8 Europa vernetzt sich

Teil 9 Aufbau einer Literaturdokumentation